Kreatives Training für intelligente Hunde

Es gibt viele Arten, sich mit seinem Hund zu beschäftigen. Dr. Michaela Artwohl ist ein Trainingsjunkie und arbeitet sehr gern mit Hunden an kniffligen Aufgaben. Was wirst du mit deinem Hund trainieren?

Unterscheidungs­aufgaben

In einer Unterscheidungsaufgabe lernt dein Hund, etwas vorher Bestimmtes aus verschiedenen Alternativen zu apportieren oder anzuzeigen. Anzeigen bedeutet in diesem Fall, dass dein Hund, sobald er sich für das richtige entschieden hat, ein bestimmtes Verhalten zeigt. Er könnte sich z.B. vor dem Gegenstand seiner Wahl hinlegen oder seine Nase für ein paar Sekunden daran kleben (Pattexnase).

Eine klassische Unterscheidungsaufgabe ist z.B. die Geruchsunterscheidung, bei der dein Hund dir einen bestimmten Zielgeruch – z.B. Kamillentee – anzeigen soll. Und zwar auch dann, wenn auch andere Teesorten im Suchfeld sind.

Geräusch­unter­scheidung

Neben der Geruchsunterscheidung kannst du deinem Hund aber auch akustische Unterscheidungsaufgaben stellen. Hierzu habe ich Buzzer verwendet, die unterschiedliche Töne von sich geben. Jeden Ton habe ich mit einem anderen Verhalten verknüpft – DOING bedeutete „SITZ!“.

DING-DONG bedeutete „STEH!“ und die HUPE bedeutete „PATTEXNASE!“. Das Lustige in dieser Aufgabe war, dass Nellie den Buzzer selbst drückte und danach auch gleich das Zielverhalten ausführte 😊.

Du könntest aber auch z.B. auch trainieren, dass dein Hund an einen bestimmten Ort geht, wenn er einen bestimmten Ton (zum Beispiel die Türklingel) hört.
Oder – wenn du mehrere Hunde hast – kannst du einen Hund buzzern lassen und den oder die anderen Hunde je nach Ton ein bestimmtes Verhalten ausführen lassen.

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Formen­unter­scheidung

Auch optische Unterscheidungsaufgaben sind möglich. Dein Hund kann lernen, verschiedene Formen, also z.B. einen Quader aus anderen Formen (Kegel, Kugel, Zylinder) herauszusuchen und anzuzeigen. Um deinen Hund nicht zu verwirren, sollten in diesem Fall alle Gegenstände eine vergleichbare Farbe und Größe haben. Zu Beginn lernt dein Hund, die Zielform, also den Quader, anzuzeigen. Danach stellst du ihm eine Aufgabe mit einem möglichst gut sichtbaren Unterschied – also z.B. Quader gegenüber Kegel.

Aufpassen musst du, dass du hier nicht vorhersehbar bist. Die Seite der beiden Gegenstände soll nach einem Zufallsmuster gewechselt werden, sonst könnte dein Hund eine Seitenpräferenz entwickeln – also z.B. meinen, er soll immer den linken Gegenstand anzeigen …

Außerdem ist es gut, beide Gegenstände gleichzeitig abzustellen – denn oft lernen Hund, dass sie immer den zuletzt berührten Gegenstand anzeigen. Je mehr Gegenstände du deinem Hund zur Auswahl gibst, desto besser musst du planen, um ihm keine falschen Hinweise zu geben.

Farbunter­scheidung

Eine andere optische Unterscheidungsaufgabe ist die Farbunterscheidung. Hier ist es gut zu wissen, dass Hunde „rot-grün-blind“ sind. Aber sie können sehr gut gelb und blau sehen und somit kannst du dir hier auch neue Aufgaben für deinen Hund ausdenken.

Gerade jetzt im Sommer könntest du deinem Hund schwimmende Ringe in einem Hundepool zur Auswahl geben und er soll z.B. immer den gelben Ring apportieren. Selbstverständlich kannst du deinem Hund sukzessive auch andere Farben wie blau oder weiß beibringen und ihn dann gezielt mit dem jeweiligen Wortsignal nach einem bestimmten Ring schicken.

Größenunter­scheidung

Eine relativ einfache optische Unterscheidungsaufgabe ist die Größenunterscheidung. Hier soll dein Hund aus einer Reihe von gleich oder unterschiedlich geformten oder gefärbten Gegenständen z.B. immer den größten Gegenstand anzeigen.

Auch hier startest du zunächst damit, dass dein Hund sein Anzeigeverhalten am größten Gegenstand erlernt. Danach gibst du ihm 2 Gegenstände zur Unterscheidung, von denen einer sehr klein und der andere sehr groß ist. Sobald dein Hund das Prinzip verstanden hat, kannst du den Größenunterschied immer kleiner machen – dein Hund wird dennoch den größten Gegenstand finden können.

Unterscheidungs­aufgaben zu Konzepten weiter entwickeln

Ein Konzept geht noch etwas weiter. Wenn dein Hund die Farb-, Form- oder Größenunterscheidung nicht nur mit einem bestimmten Set von Gegenständen – also z.B. mit Ringen – beherrscht, sondern auch auf andere, ganz neue unbekannte Gegenstände übertragen kann, hat er ein Konzept gelernt. Dann hat er also wirklich die „Bedeutung“ einer Farbe, Form oder Größe erfasst.

Das Konzept „das GLEICHE“

Ein anderes Konzept wäre z.B. auch „das Gleiche“. Dabei hast du immer 2 gleiche Gegenstände. Einen davon zeigst du deinem Hund, den zweiten „gleichartigen“ Gegenstand hast du unter anderen Gegenständen ausgelegt. Nun soll dein Hund dir genau den Gegenstand zeigen oder bringen, den du ihm zuvor gezeigt hattest.

Bei allen Aufgaben, wo dein Hund eine Wahl treffen soll, musst du dich unbedingt neutral verhalten, bis er sich entschieden hat. Also nicht zum Zielgegenstand hinzeigen (auch nicht, wenn du deinen Hund losschickst) oder hinschauen und auch nicht deinen Körper zum Zielgegenstand ausrichten.

Imitieren auf Signal

Sehr interessant ist auch das Konzept des „Nachahmens“. Dabei kann dein Hund lernen, ein Verhalten, das du ihm vorzeigst, zu imitieren. Und zwar auch dann, wenn er dieses Verhalten zuvor noch nicht erlernt hat! Mit diesem Konzept kannst du deinem Hund sehr rasch neue Tricks beibringen!

Mit diesen zahlreichen Ideen, für die du kaum Platz und Ausstattung brauchst, wünsche ich dir eine tolle Zeit mit deinem Hund!

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Michaela Artwohl

Michaela Artwohl

Michaela Artwohl ist Biotechnologin und Hundetrainerin mit Spezialisierung auf anspruchsvolles Training und Nasenarbeit.

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